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Störung des Sprechens nach Hirnschädigung- Sprechapraxie

Defintion: 

Bei einer Sprechapraxie liegt eine Störung der Steuerung und Ausführung der Sprechbewegung vor. Die Programmierung der einzelnen Sprechbewegungen ist gestört, so dass der Betroffenen seine Sprachabsichten artikulatorisch nicht oder nur eingeschränkt ausführen kann. Er weiß was er sagen möchte, ist aber nicht in der Lage die Ziellaute und Zielwörter zu artikulieren. Es können Störungen der Aussprache der Betonung, des Sprechtempos und des Redeflusses auftreten. Auch Suchbewegungen und hohe Sprechanstrengungen sind häufig zu beobachten. Die Ausprägung der Schwierigkeiten können variieren, sie treten nicht kontinuierlich und nicht immer in gleicher Form auf. 

 

Achtung: Sollten sie solche Symptome plötzlich bei sich beobachten, sollte sofort der Notarzt verständigt werden! Ein Schlaganfall ist ein Notfall! 

 

Die häufigsten Ursachen sind:  

  • "Schlaganfall" (Apoplex) durch eine Mangeldurchblutung durch den Verschluss einer Arterien (Ischämie)
  • Hirnblutung (hämoragischer Insult)
  • Schädelhirntrauma 
  • Hirntumore
  • Hirnoperationen 
  • Entzündliche Hirnerkrankungen (z.B. Enzepahlitis)
  • Neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Amyothrophe Lateralssklerose 

 

Was geschieht in der Therapie?   

Untersuchung: Es erfolgt ein ausführliches Erstgespräch (Anamnese) mit dem Patienten und den Angehörigen. Danach erfolgt die Befunderhebung, in der einzelne Sprechbewegungen sowie die Artikulation in Silben, Wörter, Sätzen und im Gespräch beurteilt werden. Auch die anderen sprachlichen Bereiche (Sprachverständnis, Wortfindung, Satzbildung, Dialogverhalten, Lesen und Schreiben) werden erfasst.    

Therapie: Die Therapie enthält je nach Störungsbild individuell zusammengestellte Übungen. Je nach Ausprägung der Störung werden die artikualtorischen Einzelbewegungen zunächst isoliert und danach im sprachlichen Kontext geübt. Hierbei werden gezielte und intensive Hilfestellungen gegeben.   

Beratung: Die Beratung beinhaltet die Aufklärung über Ursachen, Auswirkungen und Ziele der Therapie. Es werden gezielte Hilfestellungen für den Umgang mit der Störung im Alltag gegeben und Kommunikationsstrategien entwickelt. Auch die Angehörigen werden selbstverständlich beraten und in die Therapie mit einbezogen. Es werden auch Gespräche über den Therapieverlauf und zur Krankheitsverarbeitung geführt.   

Ziel: Ziel ist die Verbesserung der Kommunikation im Alltag durch die Reorganisation willkürlichen Sprechbewegungen. Der Patient soll artikulatorische Zielpositionen wieder einnehmen und Sprechbewegungen bewusst abrufen und koordinieren können. Der Sprechfluss soll hierbei verbessert werden. Auch die Anpassung der Umwelt an den Patienten ist erforderlich- der Patient soll wieder die größtmögliche sprachliche Selbstständigkeit im Alltag erlangen. Eine Sprechstörung kann nicht „geheilt“ werden, durch die logopädische Therapie kann aber eine Verbesserung und ein besserer Umgang mit der Störung erzielt werden. Die Ziele sind je nach Ausprägung der Störung sehr verschieden.     

Interdisziplinärer Austausch: Die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch mit z.B. Ärzten, Ergotherapeutern, Physiotherapeuten, Psychologen ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Die Leitsymptome der Sprechapraxie sind...

Störung der Lautbildung: Es können einzelne Laute und/ oder Lautkombinationen isoliert, in Wörtern, in Sätzen oder im Gespräch nicht oder nur fehlerhaft gebildet werden. Die bewusste Bewegung des Kiefers, der Zungen, der Lippen und/ oder des Gaumensegels sind gestört. Der Patient kann die Laute nicht willkürlich bilden, obwohl er weiß, welche Buchstaben er sprechen müsste. Es kann zu Lautersetzungen, Lautentstellungen oder zu artikulatorischen Überschussbewegungen kommen. Die Lautfehlbildungen treten nicht immer auf und variieren in ihrer Intensität.

Störung der Prosodie und des Redeflusses: Das Sprechtempo kann deutlich reduziert sein. Es kann zu Wiederholungen von Lauten und Silben kommen. (Iterationen, Perserverationen, Sprachautomatismen). Der Sprechrhythmus kann durch skandiertes („abgehacktes“) Sprechen, durch eine fehlerhafte Betonung und/ oder durch veränderte Sprechpausen gestört sein. Es können Störungen der willkürlichen Stimmgebung auftreten, wenn die Steuerung der Kehlkopfmuskulatur ebenfalls beeinträchtig ist. 

Störung des Sprechverhaltens: Es können sicht- und hörbare Sprechanstrengungen auftreten. Die Betroffenen bemerken ihre Fehler und brechen zum Teil ihr Sprechvorhaben ab. Längere und komplexere Wörter und Sätze zeigen häufig stärkere Fehlbildungen, so dass der Betroffene diese häufig vermeidet. 

 

Neben der Sprechapraxie können weitere Störung parallel auftreten. 

Es können Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen auftreten. Diese Störungen werden in der Diagnostik ebenfalls erfasst. Je nach schwere der Symptome wird entschieden, welche Störung im Mittelpunkt der logopädischen Therapie steht. Häufig behandelt der Logopäde mehrere Störungen parallel. 

Zu diesen Störungen zählen:  

 

Es können auch nicht sprachliche Symptome auftreten: 

Es können weitere gesamtkörperliche Störungen auftreten. Diese werden in der lopgopädischen Therapie berücksichtigt, aber durch andere Fachrichtungen therapiert.

Zu diesen Störungen zählen: 

  • Halbseitenlähmung komplett, inkomplett (= Hemipraese) 
  • Halbseitenvernachlässigung (= Neglect)
  • gestörte Handlungsfolgen(= Apraxi/ Dyspraxie)
  • Gedächtnisstörung (= Amnesie) 
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen 
  • Wahrnehmungsstörungen
  • gestörte Objekterkennung (= Agnosie)
  • Rechenstörung (= Dyskalkulie)
  • Epilepsie

Hilfen für die Angehörigen und weitere Gesprächspartner: 

Die Kommunikation im Alltag verändert sich durch die Störung meist stark und erfordert viel Geduld seitens der Angehörigen und des Patienten. In welcher Weise die Kommunikation verändert werden muss ist abhängig von der schwere der Symptomatik. Patienten mit einer reinen Sprechapraxie haben meist weiterhin ein gutes Sprachverständnis und wissen was sie sagen wollen. Sie können ihre Anliegen aber häufig nicht oder nicht ausreichend sprachlich äußern. Sie können aber bei schweren Beeinträchtigungen mithilfe von Mimik, Gestik, Tonfall Inhalte weiterhin übermittelt (wie z.B. Freude, Trauer, Ärger, Überraschung). Auch Zustimmungen oder Ablehnungen können hierdurch signalisiert werden. In der Therapie werden wir Sie hierbei gezielt beraten und unterstützen. 

Diese Punkte können Ihnen bereits erste Hilfen bieten: 

  • Die Intelligenz ist intakt, die Gedanken funktionieren- die Kommunikation scheitert an den Artikulationsbewegungen. Der Betroffene kann somit Gesprächen folgen. 
  • Lassen Sie nicht nachsprechen!
  • Schaffen Sie Ruhe im Gespräch!
  • Zweiergespräche sind häufig leichter als Gruppengespräche!
  • Achten Sie nur auf den Inhalt und sehen Sie über die Form hinweg.
  • Unterbrechen Sie nicht sofort bei unverständlichen Äußerungen oder fehlerhaft artikulierten Wörtern, der Sinn kann sich nachträglich ergeben. 
  • Fragen Sie gezielt nach um gemeinsam die Sprachbotschaft zu erzielen. 
  • Lenken Sie ab und unterbrechen Sie bei hartnäckigen Lautfehlbildungen
  • Geben Sie Zeit zum Antworten und haben Sie Geduld. 
  • Hören Sie mit dem Herzen! Denken Sie mit und erschließen Sie das Gesagte aus der Situation
  • Ermutigen Sie den Betroffenen zur Beteiligung am Gespräch und ermuntern Sie ihn auch nicht sprachliche Kommunikationsstrategien zu entwickeln (z.B. Zeigen, Geräusche, Schreiben) 
  • Behandeln Sie Ihren Angehörigen weiter als gleichberechtigten Erwachsenen!
  • Binden Sie Ihn weiter in das Alltagsgeschehen ein. 
  • Lassen Sie Ihn an Entscheidungen Teil haben!

 

Weitere Anregungen- Link zu den Hilfestellungen 

 

Weiter wichtige Informationen...

Therapiebeginn: Die logopädische Therapie sollte so früh wie möglich, sobald es der Allgemeinzustand des Patienten erlaubt, begonnen werden. Häufig erfolgt sie zunächst intensiv im Rahmen einer stationären Rehabilitationsmaßnahme. Danach erfolgt sie in einer logopädischen Praxis oder zu Hause. 

Hausbesuche: Bei Transport- oder Bewegungsunfähigkeit machen wir gerne Hausbesuche! Dieser muss dann von dem behandelnden Arzt verordnet werden. 

Therapieintervalle: Die Therapie erfolgt je nach Verordnung und Ausprägung der Störung ein- bis dreimal pro Woche 45- 60 min. 

Therapiedauer: Die Therapie kann mehrere Jahre dauern. Sie erfordert Geduld, da das Gehirn sehr komplex aufgebaut ist. In den ersten Wochen in der so-genannten Akutphase kann man das Gehirn häufig sehr gut reaktivieren. In diesem Zeitraum kann es auch zu spontanen Rückbildungen kommen. Das erste Jahr nach Schlaganfall ist das wichtigste, um die Abspeicherung und den Abruf von Sprechbewegungen im Gehirn wieder zu trainieren.

Logopädische Verordnung „Rezept“: Damit eine Behandlung begonnen werden kann, ist die Ausstellung einer logopädischen Verordnung durch eine entsprechende medizinische Fachrichtung erforderlich (z.B. Hausarzt, Neurologe, HNO-Arzt). 

Fragen?: Für Fragen stehen wir Ihnen gerne telefonisch zur Verfügung. 

 

Statement S.Heuschkel:

"Eine Sprechapraxie kann ein starker Einschnitt in das Leben des Patienten und der Angehörigen sein, Sie werden mit vielen neuen Eindrücken konfrontiert und habe meist keine Zeit diese zu verarbeiten. Besonders schwierig ist es bei einer Sprechapraxie, weil der Betroffene genau weiß, was er sagen möchte, er die passenden Buchstaben aber nicht artikulieren kann. Dies berücksichtigen wir in der Therapie. Die Gefühle des Patienten und der Angehörigen erhalten Raum in der Therapie. Gerne stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite." 

 

 

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